Abenteuer Bahnreisen

Wartenden Bahnreisende auf dem Bahnhof in Werne.

Bahnhof Werne

Essen. Donnerstag, 04.März 2010, 16:30 Uhr. Mein Kollege und ich stehen auf dem Bahnhof und warten auf unseren Zug nach Hamburg um 16:59 Uhr. Da der Zug, der eigentlich eine Stunde früher Richtung Hamburg fahren sollte, 35 Minuten Verspätung hat, entscheiden wir uns, auf unsere Reservierung zu verzichten und in den verspäteten IC2112 einzusteigen. Da dieser Zug aber sehr voll war und wir keine zwei benachbarten Sitzplätze finden konnten, stiegen wir in Dortmund wieder aus, um auf “unseren” IC2026 zu warten, für den wir ja Platzreservierungen hatten. Pünktlich um 17:25 Uhr verließ dieser Zug dann mit uns auch Dortmund.

Kaum hatten wir es uns auf unseren reservierten Plätzen gemütlich gemacht, hielten wir auch schon in dem beschaulichen Werne an der Lippe. Man teilte uns mit, dass der Zug aufgrund einer Streckensperrung zwischen Dortmund und Münster eine Umleitung fahren müsse und sich unsere Ankunft in Hamburg um ca. eine Stunde verzögern würde. Um die Umleitung zu befahren, sollte die Lok auf die andere Seite des Zuges umgesetzt werden. Unsere Begeisterung hielt sich verständlicherweise in Grenzen aber wir hatten ja zum Glück Sitzplätze und saßen warm und trocken. Aber es sollte anders kommen…

Nach ca. 20 Minuten Standzeit in Werne wurden wir informiert, dass es hier nicht möglich sei, die Lok umzusetzen und dieser Zug nicht mehr weiterfahren könne. Wir sollten aussteigen und in wenigen Minuten sollte dann ein Zug kommen und uns über die Umleitungsstrecke zu unserem Zielbahnhof Hamburg bringen. Natürlich brauche ich nicht erwähnen, dass der Bahnsteig in Werne für einen IC viel zu kurz ist, so dass ein Aussteigen überhaupt nur aus einigen wenigen Wagen möglich war.

Nun standen wir also auf einem völlig überfüllten Bahnsteig in Werne, zwar bei Sonnenschein aber doch recht frostigen Temperaturen, und warteten ca. eine halbe Stunde auf den Zug, der uns doch noch nach Hamburg bringen sollte. Die Stimmung schwankte zwischen Verärgerung, Wut und Galgenhumor, zumal seitens der Bahn keinerlei Informationen über die Ankunft des Ersatzzuges gegeben wurden.

Nach gefühlten Stunden Wartezeit kam dann auch endlich der Zug. Es war der IC2112. Ja richtig, es war der Zug, der Dortmund eine halbe Stunde vor uns mit 35 Minuten Verspätung verlassen hatte und aus dem wir ausgestiegen waren, weil er ziemlich überfüllt war. Natürlich muss ich nicht erwähnen, dass sich dieser Umstand nicht geändert hatte.

Dieser Zug hatte es auch nicht mehr bis Münster geschafft, sondern war nur einen Ort weiter als wir bis nach Ascheberg, wenige Kilometer vor Münster, gekommen. In Ascheberg war es aber wohl möglich, die Lok umzusetzen, so dass dieser Zug wieder zurück Richtung Dortmund fahren konnte.

Beim Einsteigen in Werne habe mein Kollege und ich uns dann aus den Augen verloren und wir haben uns erst zwischen Osnabrück und Bremen wiedergefunden. Wir beide hatten aber, im Gegensatz zu vielen anderen Fahrgästen, das Glück einen Sitzplatz in einem Abteil zu bekommen. Andere Fahrgäste mussten die Fahrt teilweise zwei Stunden stehend oder sitzend in den Gängen verbringen.

Überraschenderweise war die Stimmung in dem Zug aber ausgesprochen gut. Viele Fahrgäste hatten sich mit der Situation abgefunden und nahmen sie mit Humor. Der Bierkonsum im Speisewagen stieg rasant an. Ein Fahrgast spielte in Comedymanier den Alleinunterhalter, während andere Fahrgäste Witze über die Pünktlichkeit der Bahn machten. Auch ich hatte mit meinen Mitfahrern im Abteil viel Spaß und nette Unterhaltungen.

So regte sich dann auch niemand auf, als wir aufgrund von Baustellen sehr langsam fahren mussten oder auch mehrfach ein paar Minuten anhielten. Auch als uns der Zugbegleiter kurz vor Hamburg dann mitteilte, dass wir wegen einer suizidgefährdeten Person auf den Gleisen nicht weiterfahren können, kippte die Stimmung nicht. Glücklicherweise konnten wir dann auch nach wenigen Minuten weiterfahren.

Schließlich erreichten wir mit 199 Minuten Verspätung dann doch noch den Hamburger Hauptbahnhof. Für uns war die Odysee damit beendet. Andere mussten sich nun aber noch um Anschlusszüge z.B. nach Husum oder Bützow bemühen.

Eine Situation auf dem Bahnsteig in Werne brachte mich aber besonders zum Schmunzeln. Eine Bahnangestellte mit einem Kaffee- und Snackwagen wollte in Werne in eine Regionalbahn Richtung Dortmund einsteigen. Sie wurde aber mehrfach von den wartenden Fahrgästen um Informationen gebeten. Als sie schließlich die Türen der Regionalbahn erreichte, hatte der Zugführer diese schon wieder blockiert und der Zug fuhr ohne sie ab…

Übrigens habe ich es mittlerweile auch geschafft, die sage und schreibe 48 Felder des Fahrgastrechteformulars der Bahn auszufüllen, um meine Fahrpreisrückerstattung (50% ab 120 Minuten Verspätung) zu erhalten.


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